Kopfmenue

Die 5 besten Strategien um Schreibblockaden zu überwinden

Auch als erfahrener Autor hat man hin und wieder Tage, an denen es mit dem Schreiben nicht ganz so gut läuft, wie man das gerne möchte … und das ist oft frustrierend und belastend. (Ein Gastbeitrag von Steffen Weinert)

Damit Ihnen das künftig nicht mehr allzu häufig passiert, möchte ich Ihnen aus meinem neuen Buch „Von der Kunst, die Ideen fließen zu lassen“ die 5 besten Strategien vorstellen, die Ihnen helfen, Schreibblockaden zu überwinden und den Ideen-, Gedanken- und Schreibfluss wieder in Gang zu bringen!

1. Vermeiden Sie Stress!

Es gibt zwei Arten von Stress. Den gesunden Eustress und den ungesunden Disstress. Wenn man gewöhnlich von Stress spricht, ist der ungesunde Disstress gemeint.

Stress ist von der Evolution erfunden worden, um in gefährlichen Situationen blitzartig reagieren zu können. Der Organismus schüttet Adrenalin und Cortisol, die sogenannten Stresshormone, aus, was dazu führt, dass im Körper sehr schnell sehr viel Energie freigesetzt wird. Sie sind innerhalb kürzester Zeit kampf- oder fluchtbereit.

Wenn Sie beispielsweise von einem Mammut angegriffen werden, ist das eine Supersache. Da das aber vermutlich in letzter Zeit nicht allzu häufig vorgekommen ist, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Stress eine Funktion des Körpers ist, die für den modernen Menschen kaum mehr nützlich ist.

Ja, das Gegenteil ist sogar der Fall. Die Stressreaktion bewirkt zwar, dass Sie schnell reagieren, aber eben auch unüberlegt. Die Ausschüttung der Stresshormone führt augenblicklich zu einer Blockade in bestimmten Regionen des Gehirns, damit tödliches Zögern unterbunden wird. Leider sind es ausgerechnet die Regionen, die für kreatives Denken verantwortlich sind. Stress ist aus diesem Grund eine der Hauptursachen für Denk- und Schreibblockaden.

Für jeden sind es andere Auslöser, die Stress verursachen. Die am weitest verbreiteten sind: Termindruck, bedrückendes Arbeitsumfeld, Mobbing, Überforderung, Partnerschafts- und Familienprobleme, Geldsorgen, fehlende Anerkennung, Zukunftsängste, ungesunde Ernährung, zu viel Alkohol, Koffein oder Nikotin, keine regelmäßige Entspannung, Schlaf- und Bewegungsmangel.

Ein gewisses Stress- und Erregungsniveau ist für eine optimale Leistungsfähigkeit allerdings unabdingbar. Als Eustress wird der Zustand bezeichnet, der Ihren Organismus positiv beeinflusst. Sie erleben Ihr Vorhaben als Herausforderung. Sie haben Lust darauf und sind mit Spaß dabei. Sie halten sich für kompetent genug, es zu meistern und gehen von einem erfolgreichen Abschluss aus.

Es gilt also die für Sie richtige Balance zwischen Anforderung und dem, was Sie leisten können zu finden.

Wenn Sie negativen Stress empfinden und die oben beschriebenen negativen Anzeichen bei sich wahrnehmen, identifizieren Sie den Auslöser und tun Sie das, was nötig ist, um ihn zu beseitigen.

2. Schreiben Sie Ihren Kopf frei!

Bevor Sie mit Ihrer eigentlichen Arbeit beginnen, schreiben Sie jeden Morgen drei Seiten. Egal was Ihnen gerade einfällt. Schreiben Sie sofort los, machen Sie keine Pausen zum Nachdenken und setzen Sie den Stift nicht ab. Ja, richtig, schreiben Sie mit einem Stift auf Papier und nicht mit dem Computer.

Bei diesen drei Seiten ist es ganz egal, was Sie schreiben. Schreiben Sie das, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Ob Sie mit Ihrem Einkaufszettel beginnen, Ihre Träume der vergangenen Nacht aufschreiben oder ob Sie wiederholt „Mir fällt nichts ein!“ schreiben ist nicht wichtig. Der Prozess des Schreibens ist wichtig. Bewerten Sie nicht, korrigieren Sie nicht und lesen Sie es nicht, wenn Sie fertig sind. Zumindest nicht am selben Tag. Nach einigen Wochen können Sie es lesen und Sie werden staunen, was sich in dieser Zeit verändert hat.

Diese Technik hat verschiedene Namen. Julia Cameron nennt sie „Morgenseiten“, Vera Birkenbihl „Kläranlage des Geistes“, andere sagen dazu „Free Writing“, „Wild Writing“ oder „Stream of Conciousness“. Sie dient dazu, den Weg zu Ihren inneren Schätzen frei zu räumen, der meist durch unreflektierte Gedanken, Ängste und Sorgen verstopft ist. Sobald dieses unnütz herumliegende Zeug auf dem Papier ist, blockiert es nicht mehr Ihre neuen Gedanken. Zumindest eine Weile lang. Ihre Gedanken werden klarer, Sie fokussieren sich mehr auf die Dinge, die Ihnen wirklich wichtig sind und Sie lernen viel über sich selbst, wenn Sie aufmerksam auf das hören, was Ihnen Ihr Unterbewusstsein sagen will.

Diese tägliche Übung kann Ihnen darüber hinaus noch helfen, innere Spannungen abzubauen, ihren Schreibstil zu verbessern, sich mehr an das Schreiben an sich zu gewöhnen, zu entdecken, über was Sie schreiben wollen und zu lernen, wie Sie Ihren „inneren Zensor“ austricksen.

Die Parallele zum Tagebuchschreiben ist unübersehbar. Viele berühmte Schriftsteller, wie Thomas Mann oder Franz Kafka, haben es getan. Manche davon aus reiner Unbescheidenheit, weil sie ihrer Nachwelt etwas hinterlassen wollten, aber sicherlich haben alle von ihnen entdeckt, welchen Nutzen diese Art des Schreibens für ihre literarische Arbeit hat.

Also, lernen Sie von den Besten und machen Sie es zu ihrer täglichen, morgendlichen Routine.

3. Beginnen Sie mittendrin!

Wenn Sie vor Ihrem leeren Textdokument sitzen und Ihnen der erste Satz nicht einfallen will, schreiben Sie einfach einen anderen, der sich irgendwo mitten in Ihrem zu schreibenden Text befinden soll.

Denn ist der erste Gedanken mal fixiert, folgt darauf meist sofort der nächste. Schreiben Sie alles auf, was Sie bereits wissen. Den Mittelteil, das Ende, was auch immer. Wichtig ist, dass Sie beginnen und in Fluss kommen. Dann reiht sich ein Gedanken an den anderen und während des Schreibprozesses wird Ihnen einfallen, wie ihr Text beginnen soll.

Für mich persönlich ist es völlig rätselhaft, wie man einen Text vom Anfang bis zum Ende durchschreiben kann. Diese lineare Herangehensweise widerspricht der Funktionsweise des Gehirns.

Bei mir wachsen Texte von je her organisch um die eine erste Idee herum, die mich für diese bestimmte Geschichte inspiriert hat. Das kann ein Bild, ein Dialog oder eine Handlung sein. Es kommt zwar durchaus vor, dass diese Idee der erste Satz oder das erste Bild einer Geschichte ist, aber das ist eher die Ausnahme. Meist ist es eine Schlüsselszene, die sich irgendwo im Verlauf der Geschichte befindet. Von dieser einen Idee entwickle ich die Geschichte und überlege, wie man dort hinkommt und was nach dieser Szene passieren könnte, welche Figuren es sein müssten, für die dieses Bild zutrifft usw.

Mit jeder Idee entstehen also Fragen. Und die Antworten darauf bringen Sie zu neuen Ideen für Ihren Text. Es ist deshalb sogar von Vorteil irgendwo in der Mitte anzufangen und nicht nur eine Verlegenheitslösung, denn vom Anfang eines Textes aus gesehen gibt es nur ein „danach“ wohingegen man von einer Stelle in der Mitte in zwei Richtungen überlegen kann.

4. Reden Sie über das, was Sie schreiben!

Sich mit anderen über das zu unterhalten, was Sie gerade schreiben, hat zwei entscheidenden Vorteile. Zum einen können Sie kostenlos testen, ob Ihre Idee bereits so ausgereift ist, dass Ihr Gegenüber gebannt an Ihren Lippen klebt, und falls das noch nicht der Fall sein sollte, bekommen Sie wertvolles Feedback und können im Gespräch die Verständnis- und Logikprobleme identifizieren, die Sie noch lösen müssen, um Ihre Ideen zu verbessern.

Zum anderen passiert beim Reden über Ihren entstehenden Text etwas anderes, sehr erstaunliches. Auch ohne verwertbares Feedback von Ihrem Gesprächspartner lösen sich ein Teil Ihrer Textprobleme wie von selbst!

Diese Strategie hat vermutlich Heinrich von Kleist (1777-1811) entdeckt, zumindest hat er meines Wissens als erster darüber geschrieben und zwar in seiner Abhandlung mit dem schönen Namen „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“. Kleist empfiehlt, schwierige Fragen mit einem Gesprächspartner zu besprechen, weil man dadurch gezwungen ist, seine Gedanken zu ordnen, um seine Ansichten klar zu machen, wodurch man sich dann wiederum der Probleme bewusster wird, dadurch zu einer tieferen Einsicht und schließlich zu Lösungen gelangt.

5. Strukturieren Sie Ihren Tag!

Planen Sie am besten schon am Tag zuvor, wie Sie den nächsten Arbeitstag verbringen werden. Dabei ist es wichtig, sich nicht zu viel vorzunehmen, genau zu planen, wann man was erledigen will und auch wann man seine Pausen machen wird.

Eine gute Faustregel ist, sich 90 bis 120 Minuten ausschließlich auf die Beschäftigung mit einer einzigen Sache zu konzentrieren und dann eine halbe Stunde Pause zu machen. Die Pausen sind dabei extrem wichtig. Sie dienen der Entspannung und der Erneuerung Ihrer geistigen Ressourcen. Machen Sie diese Pausen unbedingt, auch wenn sie Ihnen nicht plausibel erscheinen, Sie das Gefühl haben, noch keine Pause zu benötigen und Sie sich dazu zwingen müssen. In unserer Gesellschaft ist es weit verbreitet, dass man sich erst der Erneuerung und Entspannung widmet, wenn man nicht mehr kann, doch dann ist man meist schon so erschöpft, dass eine schnelle Erholung gar nicht möglich ist. Vorsorgende Pausen bewahren Sie vor Erschöpfung und Burnout und machen Sie viel leistungsfähiger im gesamten Verlauf des Tages. Versuchen Sie vier vielleicht sogar fünf dieser 120/30-Blöcke in Ihrem Tag unterzubringen und beobachten Sie, ob Sie abends noch fit sind. Wenn nicht, reduzieren Sie Ihre Arbeitszeit um einen Block.

Sie sollten sich, wie gesagt, am Tag zuvor genau überlegen, was Sie in diesen einzelnen Blöcken erledigen wollen und sich dann zu dieser Zeit ausschließlich auf diese eine Sache konzentrieren. Das heißt: Unterbrechungen vermeiden und kein Multitasking!

Klar müssen E-Mails beantwortet werden, Sie müssen mit Leuten telefonieren, Rechnungen wollen bezahlt werden, Termine gemacht und, und, und. Aber diese Tätigkeiten sollten nicht andere Aufgaben, die zwar sehr wichtig, aber eben nicht dringend sind, aus Ihrem Blickfeld verdrängen.

Wählen Sie für E-Mail-Beantwortung etc. einen Block am Nachmittag aus und erledigen Sie diese Arbeit dann. Am Vormittag – wenn Sie noch frisch und motiviert sind – ist es ratsam, sich mit Aufgaben zu befassen, die Sie langfristig weiterbringen. Dazu gehört beispielsweise die Arbeit an Ihrem aktuellen Text.

Weitere Strategien um Schreibblockaden zu beseitigen und Ihr Schreiben wieder in Fluss zu bringen finden Sie in meinem E-Book „Von der Kunst, die Ideen fließen zu lassen – 44 Strategien zur Erlangung von Meisterschaft beim Schreiben und Erfinden“!


Von der Kunst, die Ideen fließen zu lassen Schreibratgeber von Steffen Weinert, „der Ihnen dabei hilft, Schreibblockaden und Schreibhemmungen zu überwinden und Sie langfristig in die Lage versetzt, Worte und Ideen aus Ihnen herausfließen zu lassen, wann immer Sie das wollen.“ – Knackiger Leitfaden, der sich an Journalisten und Autoren aller Art wendet, die ihre Produktivität steigern wollen! „Lesenswert (…) hier kann man sich schöne und praxisorientierte Anregungen holen.“ (Leser) (ca. 83 Normseiten) – hier für Kindle kaufen!

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2 Responses to Die 5 besten Strategien um Schreibblockaden zu überwinden

  1. Manuela 5. April 2015 at 2:28 #

    Das mit den Pausen werde ich unbedingt versuchen – auch wenn es sich nach viel „ungenutzter Zeit“ anhört. Ich plane meinen Tag auch meist am Abend zuvor und richte meine Tod-Do Liste im Kopf ein, die ich bei der ersten Morgenrunde mit dem Hund (bevorzugt im Wald) dann noch einmal festige und mir schon die ersten Gedanken mache.
    Die Morgenseiten habe ich aber ganz schnell wieder gelassen – damit kann ich nichts anfangen, vielleicht habe ich aber nicht lang genug durchgehalten 🙂
    LG! Ela

  2. Frank 15. Januar 2015 at 21:15 #

    Mich überfällt gerne eine Schreibblockade, wenn mir zu viele Themen im Kopf herumschwirren und ich über viele Dinge gleichzeitig schreiben will, weil ja augenscheinlich alles grad wichtig ist. Da bleibt die Konzentration auf ein bestimmtes Thema total auf der Strecke.

    Mir hat es geholfen, eine Liste mit den Themen und entsprechenden Stichworten anzulegen, die ich immer wieder ergänze, wenn sich ein „wichtiger“ Gedankengang anschleicht. Danach habe ich eine Gewichtung der Themen vorgenommen und somit meine persönliche Prioritäten festglegt.

    So habe ich Druck rausgenommen, den Kopf etwas frei bekommen und es ist nichts verloren gegangen. Und mit dem Schreiben klappt es auch schnell wieder…

    Kann diesen Beitrag hier empfehlen noch empfehlen der nützliche Tipps enthält: http://www.derneuemann.net/8-tipps-schreibblockade/3729

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